Bewerben mit System: Bewerbungs-Projektplan in 4 Phasen

Bewerben mit System

Bewerbungs-Projektplan in 4 Phasen

Bewerbung: Projekt in 4 Phasen
Der Aufwand für eine effiziente Jobsuche wird von vielen Bewerbern unterschätzt. Manche starten ihre Jobsuche ohne Ziel und Plan. Sie schreiben mal hier, mal da eine Bewerbung und wundern sich dann, wenn sie kein einziges Mal zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Oft sind die Bewerbungsunterlagen nicht aussagekräftig genug, unübersichtlich oder sie passen nicht zur Zielposition der Stelle, auf die der Bewerber sich bewerben möchte. Viele Bewerber tun auch einfach zu wenig und investieren nicht genug Mühe und Zeit in ihre Bewerbungen. Wer seinen Traumjob finden will, braucht aber eine Menge Fleiß, ein stimmiges Konzept – und einen langen Atem…
Bewerben ohne System: »Ich will einfach mal gucken…«

Natürlich können Sie einfach nur mal schauen, was der Arbeitsmarkt Ihnen so bietet und mal eben eine Bewerbung »raushauen«. Das ist dann angebracht, wenn Sie in Ihrem derzeitigen Job ganz und gar zufrieden sind und nur von Zeit zu Zeit Ihren »Marktwert testen« wollen. Oder wenn Sie planen, sich eventuell in ein paar Jahren zu verändern.

Manchmal klappt das spontane Bewerben sogar und aus einer zufällig entstandenen Bewerbung ergibt sich tatsächlich ein Jobwechsel. Das kommt jedoch äußerst selten vor. Je älter Sie werden und je höher Ihr Gehalt steigt, umso seltener. Aber auch viele junge Hochschulabsolventen klagen, wie schwer es ist, nach dem Studienabschluss die erste Stelle zu finden. Nicht einmal eine Ausbildungsstelle findet man heute »mal eben so«.

Bewerben mit System: Projektplan in 4 Phasen

Die Lösung zum Traumjob heißt: Bewerbung mit System. In Ihrem Beruf würden Sie wohl kaum ein Projekt ohne Ziel, Konzept und Terminplan starten. Betrachten Sie also auch Ihre Jobsuche als ein Projekt. Je durchdachter, zielgerichteter Sie Ihr Bewerbungs-Projekt angehen, desto besser wird das Ergebnis ausfallen!

Bewerben mit System: Projektphase 1

Klären Sie Ihr berufliches Ziel und erarbeiten Sie Wege zur Lösung. Wissen Sie genug über Ihren Traumjob und über potenzielle Arbeitgeber? Wenn nein, dann müssen Sie der Bewerbungsphase noch eine Recherchephase vorschalten. Setzen Sie sich unbedingt einen Termin, bis wann Sie die Recherche abgeschlossen haben wollen.

Sie denken: »Aber dann enge ich mich doch viel zu sehr ein…«?

Nein, das Gegenteil ist der Fall. Wer sich beliebig auf alles Mögliche bewirbt, der verliert schnell an Glaubwürdigkeit. Denn der potenzielle neue Arbeitgeber merkt nicht nur, wenn Ihr Lebenslauf oder Ihr Bewerberprofil (siehe Bewerbung Projektphase 2) nicht zu der Stelle passen, auf die Sie sich bewerben. Auch fehlende Authentizität und fehlendes Wissen über den angestrebten Job liest sich leicht aus einer Bewerbung heraus. Wenn Sie hingegen zeigen, für was Sie sich wirklich interessieren und was Sie begeistert, wird der potenzielle Arbeitgeber neugierig. Und ein Arbeitgeber, den Sie von Ihrer Persönlichkeit überzeugen konnten, wird auch von allein auf die Idee kommen, Ihnen etwas Ähnliches wie die gewünschte Aufgabe anzubieten, wenn er gerade nicht die hundertprozentig passende Vakanz für Sie hat.

Bewerben mit System: Projektphase 2

Im nächsten Schritt erarbeiten Sie Ihre Bewerbungsunterlagen, aus denen Ihre Qualifikation für Ihren Traumjob klar und leicht verständlich hervorgeht. Dazu gehören vor allem Ihr Lebenslauf und eventuell ein Know-how-Profil, die so genannte dritte Seite. Letzteres empfiehlt sich vor allem dann, wenn Sie etwas sehr Spezielles machen (beispielsweise in der IT), wenn Sie über für Ihren Job ungewöhnliche Qualifikationen verfügen (wie Polnisch- und Russischkenntnisse) oder wenn Sie in ein anderes Berufsfeld wechseln wollen, so dass sich aus dem Lebenslauf allein Ihre Qualifikation für die angestrebte neue Stelle nicht herauslesen lässt. Achten Sie außerdem auf ein professionelles Bewerbungsfoto.

Die Philosophie »Wenn ich ein interessantes Stellenangebot finde, dann schicke ich baldmöglichst einfach die Unterlagen, die ich auch sonst immer benutze, dorthin« hilft Ihnen nicht weiter, wenn Ihre Bewerbung Erfolg haben soll. Der Arbeitgeber wünscht sich die bestmögliche Übereinstimmung zwischen der Qualifikation des Bewerbers und seiner ausgeschriebenen Stelle. Wenn er diese Übereinstimmung in Ihren Bewerbungsunterlagen nicht auf den ersten Blick erkennt, bekommen Sie blitzschnell eine Absage.

Die Erarbeitung von stimmigen Bewerbungsunterlagen, die zu Ihrem beruflichen Ziel passen, braucht Zeit. Erst wenn diese fertig sind, können Sie in Kontakt mit potenziellen Arbeitgebern treten. Alle vorher unbedacht abgefeuerten Schnellschuss-Bewerbungen verderben mehr als sie nützen.

Bewerben mit System: Projektphase 3

Nun geht es um die Strategie, wie Sie mit interessanten Unternehmen ins Gespräch kommen. Antworten Sie nicht nur auf Stellenangebote, sondern gehen Sie auch von sich aus auf Unternehmen zu. Nutzen Sie alle denkbaren Wege: Aktivieren Sie Ihr Netzwerk und bewerben Sie sich auch initiativ – beispielsweise mit der Zielgruppenbrief-Methode! Wenn Sie nicht in eine Notlage geraten wollen, in der Sie das erstbeste Jobangebot annehmen müssen, sollten Sie immer mehrere Eisen im Feuer haben. Die vielfach beliebte Wartetaktik »Wenn ich eine Bewerbung verschickt habe, warte ich erst mal ab…« kann den Erfolg Ihres Bewerbungsprojekts bis in die Unendlichkeit verzögern.

Machen Sie sich spätestens jetzt einen Maßnahmen- und Terminplan. Berücksichtigen Sie zum Beispiel wichtige Messen Ihrer Zielbranche und denken Sie daran, dass es für Zielgruppenbewerbungen günstige und weniger günstige Zeiten gibt – wie Ferien oder Wochen mit Brückentagen. Sorgen Sie mit Hilfe einer Tabelle für den nötigen Überblick, damit Sie sich mit Ihren unterschiedlichen Bewerbungsprojekten nicht verzetteln.

Bewerben mit System: Projektphase 4

Das ist die »heiße Phase«, in der Ihre Bewerbungsaktivitäten Früchte tragen. Wenn Sie Stellenangebote beantwortet, Ihr Netzwerk aktiviert und Zielgruppenbewerbungen verschickt haben, werden Sie nun zu persönlichen Vorstellungsgesprächen eingeladen. Sollte das wider Erwarten nicht der Fall sein, gehen Sie die Bewerbungs-Projektphasen 1 bis 3 erneut durch und prüfen Sie, wo sich noch etwas verbessern lässt. Gespräche mit Experten, Karrierecoachings oder telefonisches Nachfassen bei den Absendern von Absagen können dabei helfen.

Nehmen Sie sich vor jedem Vorstellungsgespräch ausreichend Zeit für die Vorbereitung und auch für die Nachbereitung dieser Bewerbungsgespräche. Wo lief es nicht rund, woran können Sie bei der nächsten Bewerbung noch arbeiten?

Fühlen Sie sich in einer oder auch mehreren Projektphasen noch unsicher, kann ein Karrierecoaching durch einen kompetenten und erfahrenen Karrierecoach oder die Unterstützung durch einen Bewerbungstrainer sinnvoll und zielführend sein. Doch Vorsicht: Nicht alle Coaches halten, was Sie versprechen! Tipps, die Ihnen helfen, den idealen Karrierecoach zu finden, zeigen wir Ihnen in unserem Mini-Ratgeber »Karrierecoach gesucht? So erkennen Sie schwarze Schafe und finden den Richtigen«.

Wie lange dauert es beim Bewerben mit System bis zum Projekterfolg?

Laut einer früheren Studie des BDU dauerte die Jobsuche von Outplacement-Kandidaten im Durchschnitt 6,6 Monate. Individuelle Faktoren – wie enge Märkte oder ein sehr hohes Gehalt – können für große Abweichungen sorgen. Geben Sie Ihrem Projekt Bewerbung also ausreichend Zeit! Wenn es schneller geht, umso besser. Aber auch wenn Ihre Bewerbungsphase länger als sechs Monate dauert, besteht meist noch kein Grund zur Panik – sofern Sie alle Projektphasen effizient durchgearbeitet und in Phase 4 ausreichend viele persönliche Vorstellungsgespräche generiert haben.

Autor: Dr. Cornelia Riechers
Redaktionelle Bearbeitung: Nicole Marschall

Fotocredits

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