Jobsuche mit 50+

Bewerbungstipps

Jobsuche mit 50+: Was sollten ältere Bewerber beachten?

Jobwechsel mit 50+
Wie können sich Jobsuchende, die 50 Jahre und älter sind, optimal bewerben? Welche Strategie sollten ältere Arbeitnehmer bei der Bewerbung nutzen?
Bewerbung für Best Ager

Gerade im Zuge von Restrukturierungsmaßnahmen werden gerne langjährige Mitarbeiter, die 50 Jahre und älter sind, freigesetzt. Eine große Schwierigkeit bei einer Neuplatzierung dieser Altersgruppe ist das oftmals fehlende Bewusstsein der eigenen Fähigkeiten und beruflicher Wünsche und Ziele.

Karriereberaterin Dr. Cornelia Riechers hat viele Jahre Arbeitnehmer – auch über 50-jährige – bei der Suche nach einer neuen Arbeitsstellen begleitet. Hier geht sie auf zentrale Aspekte der Jobsuche mit 50+ ein. Gibt es Gemeinsamkeiten in der Gruppe der über 50-Jährigen, die sie von anderen Bewerbergruppen unterscheiden? Müssen sich ältere Arbeitnehmer bei der Jobsuche wirklich anders verhalten als jüngere? Und wenn ja, was genau sollten sie anders machen?

Bewerbung im fortgeschrittenen Alter: Die Strategie muss passen

Das A und O einer erfolgreichen Jobsuche ist die richtige Strategie – egal, wie alt der Bewerber ist. Bewerber jenseits der 50 gehen oft davon aus, dass sie aufgrund ihres Alters am Arbeitsmarkt kaum noch Chancen haben. Wenn sie sich dann allerdings aus Angst vor echten oder vermeintlichen Einstellungshürden auf sämtliche Stellenangebote bewerben – meist sogar weit unterhalb des eigenen Qualifikationsniveaus – finden sie ihre Befürchtungen oftmals tatsächlich bestätigt und kassieren nichts als Absagen.

Ältere Mitarbeiter sind für den Arbeitgeber teuer – und wertvoll

Natürlich ist es schwieriger, mit 50+ potenzielle neue Arbeitgeber so von der eigenen Leistung zu überzeugen, dass man eingestellt wird. Chefs setzen auf die Dynamik, die aktuellsten, gerade an der Uni gelernten Skills und das Engagement junger Bewerber. Diese sprechen sie älteren Bewerbern oft ab und übersehen, dass diese andere, mitunter sogar wichtigere Qualitäten mit bringen. Allerdings steigen die mit einem personellen Fehlgriff verbundenen Kosten für das Unternehmen mit der Höhe des Gehalts, das bei den meisten Best Agern höher sein wird als bei jungen Absolventen. Und für ein Monatsgehalt von 8.000, 10.000 oder mehr Euro wird natürlich ein größerer Nutzen erwartet als beispielsweise für 3.000 Euro. Das ist die Herausforderung für Sie als älterer Bewerber!

1. Schritt der Best Ager Bewerbung: Kompetenzen bewusst machen

Für ältere Bewerber gilt es bei der Jobsuche eben nicht, etwas vollkommen anderes zu machen als Jüngere, sondern zunächst einmal genau dasselbe, vielleicht jedoch noch gründlicher und intensiver als zuvor. Machen Sie sich dazu zuerst einmal Ihre Kompetenzen, Erfahrungen und Ihr Know-how als strategische Vorteile bewusst!

Die Pfunde, mit denen Sie als älterer Bewerber wuchern können und jüngere Konkurrenten eben nicht, ist Ihre langjährige, umfangreiche Erfahrung und das dabei erworbene Know-how. Sie haben bereits über Jahre bewiesen, welche Kompetenzen beispielsweise zur Lösung von Problemen, zur Organisation und Optimierung von Prozessen, dem Projektmanagement oder der Führung eines Teams in Ihnen stecken.

2. Schritt der Best Ager Bewerbung: Berufsziel klären

Der entscheidende Schritt auf dem Weg zum erfolgreichen Jobwechsel ist die berufliche Zielklärung. Wie Sie diese erfolgreich angehen, erklärt Dr. Cornelia Riechers ausführlich in ihrem Ratgeber »Turbo zum Traumjob: Der Zielgruppenbrief«.

Nicht nur vor der Berufswahl, sondern auch im späteren Berufsleben und gerade für Sie als »älteres Semester« ist es unverzichtbar, sich genau zu überlegen, welche Art von Arbeit Sie künftig anstreben. Möchten Sie Ihren bisherigen Berufsweg fortsetzen, dann fragen Sie sich, wie die neue Arbeitsstelle sein soll und was sich vielleicht gegenüber Ihrer letzten Aufgabe ändern soll. Im nächsten Schritt identifizieren Sie diejenigen Arbeitgeber, die Ihnen möglichst genau das bieten können, was Sie sich für Ihre weitere berufliche Laufbahn wünschen.

3. Schritt der Best Ager Bewerbung: Bewerberprofil mit Nutzwert ausarbeiten

Als nächstes geht es um die Frage, was Sie als Arbeitskraft Ihrerseits Ihrem potenziellen neuen Arbeitgeber zu bieten haben. Welche aktuellen Probleme können Sie dort lösen? Wie können Sie Ihr Wissen dort mit dem größtmöglichen Nutzen einsetzen?

Auch hier tun Sie als über 50-Jähriger nichts anderes als jeder andere Bewerber: Sie gestalten Ihre Bewerbungsunterlagen so, dass Ihre spezielle Kompetenz für genau den angestrebten Job daraus hervorgeht. Die Darstellung Ihrer beruflichen Laufbahn ist keine 1:1-Abbildung Ihrer vorherigen Tätigkeiten. Vielmehr geht es darum, den Schwerpunkt auf die speziellen Erfahrungen und Kenntnisse zu legen, die für Ihre Zielposition bedeutsam sind.

Wählen Sie von Ihren Projekten beispielsweise diejenigen aus, die den Themen und Aufgabenstellungen Ihres Wunsch-Arbeitgebers entsprechen oder ähneln. Zählen Sie die Projekte nicht nur auf, sondern informieren Sie Ihren möglichen neuen Arbeitgeber auch darüber, ob Sie Teammitglied oder Projektleiter waren, worin genau Ihre individuelle Aufgabe lag, mit wem Sie zusammengearbeitet haben und in welchem betrieblichen Zusammenhang die Projekte standen. Das wichtigste sind jedoch die Ergebnisse Ihrer Arbeit: Was ist dabei herausgekommen, und welchen Nutzen hat Ihr Einsatz dem Unternehmen gebracht?

4. Schritt der Best Ager Bewerbung: Kontakt aufnehmen

Zu guter Letzt geht es um die Frage des Kontakts zu potenziellen Arbeitgebern. Auch hier müssen Bewerber über 50 Jahre eigentlich nichts anderes tun als Jüngere, nur vielleicht mehr davon. Und sie sollten sich bei der Suche vielleicht eher auf kleine und mittelständische Unternehmen konzentrieren als auf Großkonzerne, von denen viele ihre eigenen älteren Mitarbeiter loszuwerden suchen. Aber selbst da gibt es Ausnahmen.

Nutzen Sie alle Wege zum Finden Ihres neuen Jobs!
  • Stellenangebote in Printmedien: Reagieren Sie auf Stellenangebote in Printmedien und durchforsten Sie dazu sowohl regionale und überregionale Tageszeitungen als auch relevante Fachzeitschriften.
  • Wirtschaftsnachrichten und Fachartikel: Beschränken Sie sich bei Ihrer Lektüre nicht auf den Stellenteil, sondern lesen Sie zudem Wirtschaftsnachrichten und relevante Fachartikel. Suchen Sie dort nach Ansatzpunkten, um informell Kontakt mit interessanten Firmen aufzunehmen.
  • Stellengesuche: Schalten Sie auch ein eigenes Stellengesuch.
  • Agentur für Arbeit: Schöpfen Sie die Möglichkeiten der Agentur für Arbeit aus, einschließlich der angeschlossenen Institutionen wie der ZAV.
  • Online-Jobportale: Durchsuchen Sie die einschlägigen Internet-Jobbörsen und Job-Suchmaschinen.
  • Social Media: Machen Sie sich in sozialen Netzwerken wie Xing und LinkedIn sichtbar und laden Sie so Headhunter und potenzielle Arbeitgeber ein, Sie zu kontaktieren. Tragen Sie Ihr Profil in solche Internet-Portale ein, wo Arbeitgeber auf Personalsuche es finden.
  • Zielgruppenbewerbung: Gehen Sie von sich aus auf Firmen zu, versenden Sie Zielgruppenbewerbungen.
  • Persönliche Kontaktaufnahme: Kontaktieren Sie potenzielle Arbeitgeber nicht nur per Telefon, Brief und E-Mail, sondern auch persönlich zum Beispiel bei Fachkonferenzen, Networking-Events und auf Messen.
  • Networking: Pflegen Sie Ihr berufliches und privates Kontakt-Netzwerk (digital und real!) und bauen Sie es gezielt und kontinuierlich aus.
  • Berater: Wenden Sie sich außerdem an Personalberater und Vermittler aus Ihrem Fachbereich. Und optimieren Sie Ihren Auftritt mit der Unterstützung eines Outplacement- oder Karriereberaters. Hier hilft Ihnen der Mini-Ratgeber »Karrierecoach gesucht? So erkennen Sie schwarze Schafe und finden den Richtigen«, qualifizierte Unterstützung zu finden.
Jobsuche für Ältere: nicht anders, nur besser und mehr

Dr. Cornelia Riechers war über 25 Jahre lang Outplacement- und Karriereberaterin in ihrem eigenen Unternehmen Quality Outplacement. Hier zieht sie ein Resume ihrer Begleitung älterer Bewerber: »Wenn ich die von uns begleiteten Fälle Revue passieren lasse, sind die Erfolgswege unserer älteren Klienten so verschieden wie die Klienten selbst. Beruf, Branche und Wirtschaftslage üben einen größeren Einfluss aus als das Alter. Einzig bei der Höhe des Einkommens gibt es eine gewisse Korrelation mit der Zahl der Lebensjahre. Aber unsere Erfahrung zeigt: Mit professionellem Vorgehen und persönlichem Engagement können Sie auch als älterer Arbeitnehmer einen neuen, passenden Job auf einem angemessenen Level finden.«

Autor: Dr. Cornelia Riechers

Redaktionelle Bearbeitung: Nicole Marschall

Fotocredits

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