Jobwechsel: Ja oder Nein?

Tipps für Ihre Karriere

Jobwechsel: Ja oder Nein?

Jobwechsel: ja oder nein?
Zu viele Jobwechsel stempeln den Bewerber schnell zum Jobhopper ab, zu wenige lassen ihn unflexibel erscheinen. Wie macht man es denn nun richtig?
Bleiben oder gehen? Vor- und Nachteile eines Jobwechsels

Einen Job wechselt man nicht mal eben so. Die Entscheidung hat weit reichende Konsequenzen für den weiteren Verlauf Ihrer Karriere und damit für Ihr ganzes Leben. Ein Jobwechsel will gut überlegt sein. Denn wechseln Sie zu oft, werden Sie zum »Jobhopper« abgestempelt. Und dann möchte kein Unternehmen Sie noch einstellen. Der Grund ist naheliegend: Der potenzielle neue Arbeitgeber befürchtet, Sie werden es auch beim ihm nur kurze Zeit »aushalten«. Bleiben Sie hingegen einer Firma zu lange treu und weist Ihr Lebenslauf deshalb nur wenige Stationen auf, dann gelten Sie als unflexibel und werden ebenfalls nicht eingestellt. Wie man’s macht, macht man’s verkehrt, so scheint es.

Arbeitsplatz: Öfter mal wechseln!?
Experten raten häufig, aus Karrieregründen öfter mal den Job zu wechseln. Man werde so als Bewerber attraktiver. Ein zu langes Verharren in einer Position wirke sich negativ auf die Jobchancen aus. Als Begründung führen sie an, dass Mitarbeiter, die lange in einer Position bleiben, häufig gar nicht mit bekämen, wie sich um sie herum der Arbeitsmarkt verändert. Langjährige Mitarbeiter seien in veralteten Strukturen verhaftet, ihr Wissen sei nicht auf dem neuesten Stand, und in einem neuen Job kämen sie gar nicht mehr zurecht. Als Bewerber fallen sie durch, denn sie gelten als bequem, unaufgeschlossen und unflexibel. Dabei muss das gar nicht so sein.
 
Weiterentwicklung ohne Jobwechsel

Längere Zeit auf einer Position, in einem Job zu bleiben bedeutet nicht automatisch Stillstand. Unter guten Arbeitsbedingungen können Sie sich auch ohne Jobwechsel weiterentwickeln, etwa wenn

  • Sie bei Ihrem aktuellen Arbeitgeber einen guten Job machen,
  • Sie Ihren Bereich verantwortlich führen,
  • der Chef Ihnen vertraut,
  • Sie sich bezüglich Ihrer Arbeitsinhalte und -methoden auf dem Laufenden halten,
  • Ihnen die Arbeit Freude macht und/oder
  • das Arbeitsklima stimmt.

All dies spricht für einen Verbleib beim jetzigen Arbeitgeber. – Denn wer weiß schon, wie Sie es anderswo antreffen würden? Außerdem kann auch ein kurzer Weg zur Arbeit ein gewichtiges Argument gegen eine Veränderung sein: Tägliches Pendeln wirkt sich nachweislich negativ auf die Gesundheit und das Familienleben aus.

Herausforderung: Jobwechsel nach langer Betriebszugehörigkeit

Wenn Sie allerdings nach langer Betriebszugehörigkeit doch einmal Job und Arbeitgeber wechseln möchten, werden Sie es nicht leicht haben. In Ihrer Bewerbung und im Vorstellungsgespräch müssen Sie sich dann besonders große Mühe geben. Bereits in Ihren Bewerbungsunterlagen muss deutlich werden, wie sich die Herausforderungen Ihres aktuellen Jobs über die Jahre verändert haben und wie immer wieder neue Aufgaben hinzu gekommen sind.

Manchmal ist ein schneller Wechsel nötig

Natürlich gibt es auch gute Gründe, einen Job bereits nach kurzer Zeit wieder zu kündigen. Beispiele dafür sind:

  • Arbeitsbelastung: Es werden immer mehr Mitarbeiter entlassen, die Arbeit nimmt jedoch nicht ab, und Sie müssen die Aufgaben der entlassenen Kollegen mit übernehmen. Es herrscht permanent Stress. Trotz Überstunden können Sie Ihre Aufgaben nicht ordentlich und in der für Sie üblichen Qualität erledigen.
  • Arbeitsklima: Der Chef vergiftet die Atmosphäre, die Kollegen mobben. Oder Sie haben innerhalb von zwei Jahren schon den dritten Chef, und niemand interessiert sich für Ihre Arbeit – von Wertschätzung und Anerkennung ganz zu schweigen!
  • Langeweile: Der Job erfüllt Ihre Erwartungen nicht, man hat Ihnen etwas anderes versprochen. Sie erledigen nur Routineaufgaben, sind nicht gefordert und lernen bei der Arbeit nichts Neues.
  • Perspektiven: Es fehlen sowohl Karriereperspektiven als auch finanzielle. Und das Unternehmen entwickelt sich auch nicht weiter.

All dies sind gute Gründe, den Job zu wechseln, auch wenn Sie noch vor gar nicht allzu langer Zeit eingestellt wurden. Niemand sollte sich im Job quälen und unglücklich sein.

Rahmenbedingungen vor dem Jobwechsel prüfen

Bevor Sie sich jedoch tatsächlich zum Jobwechsel entschließen, prüfen Sie bitte genau, ob sich die störenden Bedingungen nicht doch ändern lassen: vielleicht durch ein Gespräch mit dem Chef oder mit den Kollegen, durch Eigeninitiative bei der Übernahme zusätzlicher Aufgaben oder durch eine Fortbildung. Denken Sie daran, wie schnell Sie zum Jobhopper abgestempelt werden können. Schnell gelten Sie als sprunghaft, unzuverlässig und nur auf Ihren kurzfristigen Vorteil bedacht. Zudem wird eine neue Arbeitsstelle mit steigendem Alter immer schwerer zu finden sein.

Wann gilt man als Jobhopper?

Wann ist man eigentlich ein Jobhopper? Eine Faustregel gibt es da leider nicht. Laut Umfragen wechseln deutsche Arbeitnehmer durchschnittlich alle vier Jahre ihren Job. Diese Zeitspanne könnte man also als Gradmesser für »Normalität« ansehen.

Im Einzelfall können die Dinge aber ganz anders liegen. In manchen Branchen sind kurzfristige Wechsel eher üblich, in anderen nicht. Zudem kommt es nicht nur auf die Verweildauer in einem Unternehmen an, sondern auch auf die Zahl der Jobwechsel insgesamt. Wer einmal aus guten Gründen nach wenigen Monaten aus einem Arbeitsverhältnis ausgeschieden ist, der wird sich zwar im Vorstellungsgespräch kritische Fragen gefallen lassen müssen. Ein K.o.-Kriterium dürfte das aber nicht sein. Kommt so etwas allerdings öfter vor oder gibt es gar überhaupt keine längere Betriebszugehörigkeit in Ihrem Lebenslauf, dann müssen Sie sich ernsthafte Sorgen machen.

Niemals zu leichtfertig wechseln!

Verlassen Sie also niemals leichtsinnig Ihren Arbeitgeber! Fragen Sie sich, ob dieser Wechsel Ihnen und Ihrer Karriere wirklich gut tut. Mehr Geld bei der neuen Firma ist ein starkes Motiv. Aber stellen Sie sicher, dass Sie den Gehaltszuwachs nicht am Ende mit schlechteren Arbeitsbedingungen und geringerer Jobzufriedenheit teuer bezahlen.

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Autor: Dr. Cornelia Riechers

Redaktionelle Bearbeitung: Nicole Marschall

Fotocredits

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